Was ist eigentlich dieses „Influencer“?

Noch immer stelle ich fest, dass viele Leute gar nicht so genau wissen, was ein „Influencer“ eigentlich ist oder tut. Und dennoch wollen sie Influencer Marketing betreiben und mit ihnen arbeiten – weil ja, das tut man nun mal jetzt so. 

Gehen wir in der Zeit etwas zurück, wo es den Begriff Influencer in diesem Ausmass noch nicht gab. Nicht, dass das eine Zeitreise ins Mittelalter wäre. In der Schweiz müssen wir uns da lediglich ein paar wenige Jahre zurück erinnern. In den USA vielleicht etwas mehr, aber auch da ist es noch nicht sehr lange her, dass ebensolche neuen Influencer urplötzlich aus dem Marketing nicht mehr wegzudenken waren.

Moment – warum spreche ich plötzlich von neuen Influencern? Gibt es etwa alte Influencer?

Wie gesagt, gehen wir in der Zeit etwas zurück. Zum Beispiel ins Jahr 2011, wo Britney Spears, Beyoncé und Pink sich in ihren sexy Gladiatorenrüstungen weigerten, sich zur Belustigung des Königs gegenseitig zu bekämpfen und am Ende gemeinsam Pepsi Cola schlürften (zum Videoclip).

Damals wurden Britney & Co. zwar nicht Influencer genannt, aber eigentlich waren sie es: Persönlichkeiten, die Firmen das Image polierten und andere Menschen dazu brachten, deren Produkte zu kaufen. Warum? Weil ihre Fans ihre Meinungen als wichtig empfanden und sich so ihren Idolen ein Stückchen näher fühlten. Influencer Marketing vom Feinsten. Nur griff man damals auf Berühmtheiten und Stars aus Film und Musik zurück und verschleuderte hunderttausende von Dollars, um einen solchen Star für sich unter Vertrag zu nehmen. Weitere tolle Beispiele sind: George Clooney für Nespresso oder Roger Federer für Gillette.

Ganz grob auf ein paar wenige Worte herunter gebrochen: Menschen, die beliebt sind, strecken ein Produkt in die Kamera und werden dafür bezahlt.

Spulen wir zwei, drei Jahre vorwärts. Models sind nicht einfach nur noch Models, sondern Individuen mit Charakter und Persönlichkeit. Sie werden nicht mehr nur wegen ihren Massen gebucht, sondern weil sie Wiedererkennungswert haben und sie genau dafür geliebt werden, dass sie eben keine wandelnden Kleiderständer sind. Allen voran Cara Delevingne. Mit ihren ehrlichen Fotos, die sie auf Instagram postet wird sie praktisch über Nacht zu dem wohl am meisten gefeierten Model. Kurz darauf posiert sie für Zalando, respektive Topshop.

Die It-Girls übernehmen die ersten Reihen der Modeschauen, alle sind sie irgendwie miteinander befreundet und Instagram ist ihr beliebtestes Selbstvermarktungs-Tool. Niemand weiss so richtig, woher sie kommen, aber plötzlich sind sie da, werden durch ihre eigenen TV-Sendungen zu Stars. Plötzlich sind sie aus der Welt nicht mehr wegzudenken, obwohl sie weder eine beeindruckende Musik- noch Filmkarriere vorzuweisen haben. Sie sind einfach und gewähren ihren Zuschauern Einblicke nicht nur in ihr Leben sondern auch tief in ihre Privatsphäre. Und sie werden von der Gesellschaft so sehr für diese Nähe, diese Nahbarkeit gefeiert, dass plötzlich auch Unternehmen auf sie aufmerksam werden. Und da wären wir wieder: Menschen, die beliebt sind, strecken ein Produkt in die Kamera und werden dafür bezahlt.

Willkommen im heute. Eine Vielzahl Leute mit Kommunikationsdrang kreieren ihre eigenen Blogs, Instagram-Profile und YouTube-Kanäle. Sie merken, sie haben eine Stimme und diese Stimme wird gehört. Durch viel Geduld, Arbeit, Leidenschaft und Treue zu sich selbst schaffen sie es letztlich, sich eine Reichweite aufzubauen. Plötzlich werden sie von tausenden unbekannten Menschen geschaut, geliked und regelmässig auf allen anderen Sozialen Medien verfolgt, weil ihre ganz subjektive Meinungen an Wichtigkeit gewinnen.

Was wir hier beobachten, ist ein Umdenken der Gesellschaft. Sie weiss, dass Stars dafür gekauft werden können, Werbung für ein Produkt zu machen. Das ist auch der Grund, warum Schleichwerbung so verpönt ist. Aber Blogger und YouTuber haben ihre eigenen Meinungen und diese sagen sie öffentlich, egal ob gut oder negativ – und sie werden von tausenden Menschen gehört und dafür gefeiert. Ihre Meinungen sind plötzlich wichtig, ihre Zuschauer kaufen plötzlich die Dinge nach, die sie in ihren Blogs, Fotos oder Videos vorstellen. Genau das macht sie zu Influencern: Es sind Menschen, die andere Menschen in ihren Meinungen und (Kauf-)Entscheidungen beeinflussen.

Hier sind wir am Punkt angelangt, an dem sich Unternehmen bewusst werden, dass diese Influencer nicht einfach nur da, sondern tatsächlich ein beeinflussender Teil der Konsumgesellschaft geworden sind. Studien ergeben, dass Produkte, die von diesen neuen Influencern vorgestellt werden, eher gekauft werden, als wenn traditionelle Stars sie bewerben und dass diese Influencer massgebend die heutige Kultur mitformen. Ausserdem sind sie um einiges günstiger, als die traditionellen Stars.

Warum ist das so?

Blogger, YouTuber, Instagramer, Snapchatter – sie alle sind Menschen wie du und ich. Sie könnten unsere Nachbaren sein, leben in ganz normalen Verhältnissen, haben die gleichen Hobbies wie wir und die gleichen Probleme wie beispielsweise das 19-jährige Mädchen, das die Welt nicht mehr versteht, weil ihr Chef sie angeschnauzt hat und der 17-jährige Junge, der über beide Ohren verschossen ist und nicht weiss, wie er seinen Schwarm ansprechen soll. Sie zeigen, dass auch sie an Pickeln zu leiden haben, dass auch sie vom Pech verfolgt werden, dass auch sie von Pizza pupsen müssen. Diese Creator reden offen über ihre Ups und Downs im Leben und geben allen ihren Zuschauern da draussen wieder etwas Mut. Ihre Lebenseinstellungen sind oft so motivierend und dennoch so normal, dass sie nicht als fremde Personen wahrgenommen werden, sondern als Freund oder gar Bruder oder Schwester. Doch auch das kommt nicht von alleine. Erst die Interaktion mit ihren Zuschauern lässt sie diesen Status erhalten. Das Gefühl, ihren Idolen ganz nah zu sein und mit ihnen auf Facebook oder via Snapchat schreiben zu können, ist das Grösste für insbesondere die jüngeren Zuschauer (zur Studie).

Das schlimmste, was ein Unternehmen versuchen kann, ist, einen Influencer kaufen und ihn verbiegen zu wollen. Zu viele Vorschriften, Bedingungen, Must-Haves und Must-Dos ist der Killer für jede Glaubwürdigkeit. Influencer sind schliesslich genau wegen ihrem persönlichen Style bekannt und beliebt geworden. Aber auch sie sind nur Menschen und freuen sich, wenn ihre Arbeit so anerkannt wird, dass sie einen Auftrag erhalten. Hier sind wir beim heutigen Influencer Marketing angekommen, wo der Satz „Menschen, die beliebt sind, strecken ein Produkt in die Kamera und werden dafür bezahlt“ wieder aufgenommen werden kann.

Aber vergesst nicht: Influencer sind Menschen, eigenen Brands, die ihre eigene Kultur haben. Sie sind keine Verkäufer und ihre Videos/Blogs keine Regale. Ihre Authentizität ist ihre grösste Waffe und diese richtigen nur die wenigsten Influencer gegen sich selbst.

Hier kannst du eine kurze Checkliste für die Zusammenarbeit mit Influencern herunterladen. Falls du an einer detaillierten Checkliste (4 Seiten) oder gar einem Beratungs-Termin interessiert bist, melde dich bitte per Mail bei mir.

Eure Cielle

PS: Du hast eine Idee für ein Youtube-Projekt im Kopf oder möchtest etwas mit Influencern machen? Dann hier lang!

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