Influencer Relations – und warum ich 95% der Anfragen absage

Jede Woche erhalte ich zwischen 3-6 Anfragen, ob ich dieses Produkt bewerben, eine Review über das machen oder jene Einladung wahrnehmen könnte. Das ist natürlich toll, weil einem als Influencer bewusst wird, dass man tatsächlich irgendwie etwas erreicht hat. Andererseits frisst es bereits enorm viel Zeit, alle diese Mails überhaupt zu lesen und zu beantworten, geschweige können dann alle Anfragen angenommen werden. Ein grosser Ablöscher, die Mails überhaupt zu lesen, ist das Vorwissen aus Erfahrung, dass über 90% sowieso Müll ist.

Noch heute stapeln sich dutzende unbeantwortete Nachrichten in meinem Postfach. Angenommen, ich würde für jede Mail auch nur 5 Minuten entbehren, ich sässe morgen noch da. Eine Auswahl zu treffen ist hier unabdinglich. Und diese steht – wie könnte es auch anders sein – unter meinem Lieblingswort: Effizienz. Ich habe hier einige Arten von Anfragen und Hauptkriterien für euch, wie ich meine Nachrichten sortiere:

  1. Medienmitteilungen
    Tatsächlich sind diese zwar ganz interessant um auf dem Laufenden gehalten zu werden, welche neuen Produkte auf den Markt kommen und ob etwas davon für mich interessant sein könnte, worauf ich dann reagieren könnte. Dennoch lese ich höchstens die Überschrift und schaue die Bilder an. Nach höchstens 10-20 Sekunden ist die Medienmitteilung allerdings gelöscht oder in einen Ordner verschoben und bereits wieder vergessen.
  2. Einladungen zu Events
    Yes, auch von denen gibt es reichlich. Als erstes checke ich, für was für eine Art Event ich denn überhaupt eingeladen werde. Ist es ein Produkt-Launch? Wenn ja, passt das Produkt zu mir respektive meinen Social Media Kanälen? Ist es eine Einladung zu einer Kino-Premiere? Ein Treffen zum Netzwerken mit Apéro? Ist Essen mit im Spiel, ist Stefy eigentlich immer gerne mit dabei. Aber mit einem 100%-Job kann ich gut 3/4 der Einladungen vergessen – wann denken die Firmen, haben wir frei? Immer? Alle, die also tagsüber stattfinden, fliegen raus. Produkte-Vorstellungen finde ich total langweilig und für mich ausserdem auch ungeeignet. Events von denen ich persönlich etwas habe – sei es ein guter Film oder neue Kontakte – sind mir die liebsten. Habe ich dann zufällig auch noch nichts los: nichts wie hin!
  3. Anfragen für eine Kooperation
    Gleich vorneweg: Ich mache nichts, was nicht auch thematisch zu mir passt. Und dennoch erreichen mich viele Anfragen, wo ich mich dann frage, ob sich die Leute überhaupt meinen Youtube-Kanal oder auch nur den Blog angeschaut – oder sich von der Zahl Abonnenten blenden lassen haben. Noch schlimmer: eine unpersönliche Anrede. Für letzteres mache ich mir nicht mal die Mühe, überhaupt zu antworten – schliesslich haben sie sich auch keine Mühe gemacht. Ist die persönliche Anrede zwar vorhanden, aber die Zusammenarbeit für mich uninteressant, gibt’s eine Absage. Hat die Firma bereits eine genaue Vorstellung, was sie haben möchte und es passt hinten und vorne nicht zu meinem Content: Absage. Zu kurzfristig: Absage. So ein Ding braucht seine Zeit, wenn’s gut werden soll…
  4. Kann ich dir was schicken?
    Klar! Aber erwarte nicht, dass ich darüber berichte.

Es kristallisieren sich also einige Dos & Don’ts heraus, wie – und damit rede ich nicht nur von mir selbst – Influencer am besten angegangen werden und bitte, liebe Firmen, nehmt diese Tipps ruhig ernst und beachtet sie für künftige potenzielle Kooperationen:

  1. Thematik: Es muss im Vornherein abgeklärt werden, ob der Influencer in dieser Kategorie bereits etwas gemacht hat. Am besten fügt sich die Zusammenarbeit fast nahtlos in sein Repetoire! Die Fotos oder Videos können noch so toll sein, passt ein gekaufter Post thematisch nicht zum Rest, wirkt es nicht authentisch und Authentizität ist für einen Influencer das A und O in seiner Interaktion mit seiner Community.
  2. Persönlich sein: Nicht nur die Anrede, die ganze Nachricht sollte sagen: „Ich habe mich mit dir auseinandergesetzt und deshalb weiss ich, dass du zu uns passt.“ Ein Influencer möchte schliesslich herausstechen in seiner Art und seinem Tun und nichts gibt ihm mehr das Gefühl, einer von vielen wie Sand am Meer zu sein, als das Gefühl zu bekommen, austauschbar zu sein.
  3. Honorar: Ja, ohne Witz! Anzunehmen, der Influencer sollte froh sein, überhaupt so eine Chance oder das Produkt gratis (oder zum Testen) zu bekommen, ist absolut nicht mehr angebracht. Was Influencer tun, tun sie, weil es ihnen Spass macht und ihnen Erfüllung bringt. Sie sind auf nichts angewiesen und können frei entscheiden, was sie annehmen und was ablehnen. Im Gegensatz zu Journalisten wird bei Ihnen ausserdem eine subjektive Meinung erwartet, wodurch sie sich erst das Vertrauen ihrer Community aufbauen.
  4. Nutzen: Eine Zusammenarbeit  zwischen Influencer und Firma sollte beidseitigen Nutzen bringen. Und damit meine ich nicht nur ein Produkt, das der Influencer behalten kann, nachdem er es auf billige Art und Weise in die Kamera gestreckt hat. Warum dem Influencer nicht etwas ermöglichen, was nicht alltäglich ist? Etwas, das ihm das Gefühl gibt, sich von anderen abheben zu können.
  5. Feedback: Etwas, was ich oft vermisse! War das denn jetzt gut? Sind alle zufrieden? Arbeiten wir mal wieder zusammen? Die besten Kooperationen entstehen durch gegenseitiges Vertrauen und das entsteht mit der Zeit, wenn sich Firmen und Influencer kennenlernen und miteinander kommunizieren. So entwickeln sich längerfristigere und beidseitig lukrativere Kooperationen.
  6. Nachhaltigkeit: Was ist cooler, als eine langanhaltende, nachhaltige Zusammenarbeit? Wie wäre es mit einer „Beförderung“ zum Ambassador?

Und schon sind wir an einem Punkt angelangt, den ich den Firmen immer wieder predige: vergesst das herkömmliche Influencer Marketing! Kein seriöser Influencer lässt sich billig kaufen. Influencer Relations hingegen sind langanhaltende (wie der Begriff bereits sagt) Beziehungen zwischen Firmen und Influencern, in denen sich regelmässig gegenseitig ausgetauscht und Ideen umgesetzt werden.

Als Influencer kann ich sagen, ich arbeite lieber mit Firmen, respektive Leuten zusammen, die ich bereits von vorherigen Zusammenarbeiten her kenne, und bin eher bereit, ein Produkt, das ich von ihnen zugeschickt bekomme, vorzustellen.

Als Consultant kann ich sagen, macht es durchaus Sinn, einen Influencer zu kennen. Die Kontaktaufnahme ist viel einfacher, die Bereitschaft, nach bereits gelungenen Kooperationen erneut zusammenzuarbeiten, höher und die Arbeit und dadurch das Ergebnis des Influencers bekannt. So sitzt man nicht auf diesen glühenden Kohlen, wie wenn man nicht weiss, was einen erwartet.

Ausserdem sollte das dichte, starke Netzwerk zwischen den einzelnen Bloggern, Instagramern, Youtubern und anderen nicht unterschätzt werden. Alle sind sie irgendwie miteinander verbunden, was zwar Vorteile durch Mund zu Mund Propaganda bringen mag, aber durchaus auch seine Tücken hat. Patzer sprechen sich schnell herum, genauso wie auch ein Lob.

Ich habe bereits mit mehreren Firmen zusammenarbeiten dürfen, mit einigen war es eine einmalige Sache, bei einigen Entstanden längerfristige Geschichten daraus, aber fast überall ist mir aufgefallen, dass die meisten Firmen keine Ahnung haben, wie dieses Influencer Marketing, oder eben Influencer Relations, überhaupt geht.

Hier habe ich übrigens eine kurze Checkliste zusammengestellt. Falls du die detaillierte 4-seitige Checkliste möchtest, dann schreibe mir bitte eine Mail.

Lies auch meinen nächsten Blogpost: 3 Influencer Relation Trends für 2017 oder Was ist eigentlich dieses „Influencer“?

Ich wünsche euch eine erfolgreiche Woche

Stefy aka. Cielle

PS: Das Foto hat Iris Reeves geschossen während unserer gemeinsamen Zusammenarbeit mit CocaCola. Das Video dazu findet ihr hier.

PPS: Du hast eine Idee für ein Youtube-Projekt im Kopf, möchtest etwas mit Influencer machen, oder deinen Social Media oder Webseiten-Auftritt optimieren? Dann hier lang!

13 Gedanken zu „Influencer Relations – und warum ich 95% der Anfragen absage

  1. Du bringst es auf den Punkt! Gäbe es einen „Daumen hoch“, würde ich Dir gerne einen geben. 👌🏻

    Ich kann mich in dem wiederfinden, was Du geschrieben hast. Auch ich erhalte so einige Anfragen und Medienmitteilungen. Viel schlechte Erfahrungen habe ich bis dato aber nicht machen müssen. Aber ich bin auch recht strikt was das Zusammenarbeiten angeht, denn die Unternehmen sollen wissen, dass wir als Blogger/YouTuber unsere Zeit und Arbeit reinstecken. Und das neben Job und Familie. Man kann nicht alles machen und möchte aber auch nicht alles machen.

    Ich finde es auch besonders wichtig, dass eine Zusammenarbeit wirklich auf dem Content des Bloggers/YouTubers beruht. Nichts ist schlimmer, als seine Leser/Zuschauer anzulügen und nur etwas zu machen, weil es vielleicht Geld bringt.

    Dafür bin ich aber auch umso dankbarer, wenn man mit Unternehmen, wie Du auch schreibst, länger zusammenarbeiten kann. Mit Unternehmen, bei welchen man sich mit deren Firmenphilosophie und deren Produkte identifizieren kann. Und natürlich ganz klar: Wenn man das Netzwerk stärken kann. Bin sehr froh, auch Dich endlich persönlich getroffen zu haben! 🙌

    Hab ein tolles Weihnachtsfest und bis hoffentlich bald!
    Liebste Grüsse, Anne
    http://www.annesleben.ch

    1. Sehr guter Beitrag und das Thema Nachhaltigkeit finde ich besonders spannend. Da wir eher klein sind, bekommen wir noch nicht viele Anfragen und das ist gut. Einige der Kooperationen haben sich aus glücklichen Zufällen ergeben. Ein gutes Video ist irgendwo angekommen, dann hat eines zum nächsten geführt. Das ist mir am liebsten. Ich habe auch schon potentielle Partner angeschrieben, und uns vorgestellt. Ich schaue bei unseren Partnern, dass sie sich nicht konkurrieren. Ich möchte nicht, dass sich meine Follower nicht entscheiden können, ob sie Produkt A aus Kategorie nun von A oder B nehmen sollen, weil im Video mal das und mal das zu sehen ist. Was ich nicht unterstütze, ist, dass Firmen wie ein Schoggilabel kürzlich, x Influencer anfragt, und man dann 20 Posts sieht zum gleichen Thema. Ich will mich ja mit dem Brand auch zeigen und stolz sein, dass ich Partner bin. Für mich ist das Thema Micro-Influencer spannend. Wir haben eine ganz klare Zielgruppe und ich weiss, wofür sich unsere Community interessiert. Das kann ich verkaufen. – 2017 wird spannend 🙂

      1. Ich bin auch sehr gespannt auf dieses Jahr – und wage mich mal, ein paar Prognosen zu stellen. Bin gespannt, was du dann dazu sagst 🙂

  2. Sehr guter Beitrag. Ich wünschte mehr Blogger und auch Kooperationspartner würden das beherzigen!
    Oft höre ich, dass Blogger ja angeblich so überrissene Forderderungen stellen im gleichen Atemzug geht man aber ganz selbstverständlich davon aus, dass ich mich hinsetze und gratis arbeite und Werbung mache. Viele tun das ja. Jedes unangeforderte Gratisprodukt wird da beworben. Wozu? Das bringt weder mir, noch meinen Lesern etwas.
    Ich bin gespannt, wie es in der Bloggerwelt weiter geht….

    1. Genau, und viele Firmen wissen dann nicht, wie sie reagieren sollen, fühlen sich hintergangen und wollen nichts mehr mit Influencern zu tun haben…
      Das ist das zweite grosse Problem der Blogger-Szene, dass zu viele Blogger zu viel gratis machen und dann den anderen, seriösen Bloggern, potenzielle Aufträge „versauen“. Wir werden sehen, was das 2017 und bringt!

  3. Eigentlich alles Punkte, die jeder mit gesundem Menschenverstand auch beantworten könnte…
    Kleiner Tipp:
    Der Link in folgendem Text ist tot:
    PPS: Du hast eine Idee für ein Youtube-Projekt im Kopf, möchtest etwas mit Influencer machen, oder deinen Social Media oder Webseiten-Auftritt optimieren? Dann hier lang!

    Cheers,
    Acki

    1. Hoi Anki

      Vielen Dank für den Hinweis, ich habe gerade heute Morgen sehr viel an meiner Seite rumgebastelt!

      Und ja, könnte man eigentlich meinen, dass man das mit gesundem Menschenverstand nachvollziehen können sollte… Leider ist dies in der Praxis nur selten der Fall…

      Liebe Grüsse und noch einen schönen Sonntag

  4. Ciao Stefy, interessanter Beitrag, ich habe deinen Blog und YouTube-Channel gerade erst durch die D:Pulse Konferenz gefunden 🙂 you got a new follower. Ich kenne selbst nicht besonders viele Schweizer Blogger obwohl ich selbst Teil der Szene bin. Wo sind denn alle irgendwie verbunden? Es hat mich auch erstaunt, dass ich dir bisher noch nicht kannte. 🙈
    -Prosper

    1. Hoi Prosper

      Vielen Dank! Hm, die Youtube-Szene ist ziemlich gesplittet und die Blogger kennen sich halt durch die ganzen Blogger-Events von Firmen. Und durchs gegenseitige vorstellen. Ich kann deinen Blog gerne mal jemandem weitervermitteln, vielleicht sehen wir uns ja dann schon bald 🙂

      Liebe Grüsse
      Stefy

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