Halt die Klappe, Flugnachbar!

Als ich eben im Flieger von Manchester zurück nach Zürich sass, schaute ich kurz nach hinten. Ich hatte zuvor nämlich meinen Sitzplatz eine Reihe nach vorne verlegt und wollte schauen, wer denn sonst der Glückliche gewesen wäre, neben mir reisen zu dürfen – ich war dann ganz glücklich, neben einer alten Dame zu sitzen, die mir lediglich den Ellbogen regelmässig in den Arm gerammt hat. Und da kam er mir in den Sinn: den schlimmsten Flugnachbar, den ich jemals hatte – und das auf meinem 10-Stunden-Flug von San Francisco zurück in die Schweiz!

Eigentlich macht es mir nichts aus, neben fremden Leuten zu sitzen. Kopfhörer rein, ein gutes Buch, bei langen Flügen ein Film auf dem klitzekleinen Bildschirm auf der Rückseite ein jeden Sitzes. Zwischendurch schlafen, ein sehnsüchtiger Blick über die Wolken aus dem kleinen runden Fenster.

Aber nicht bei diesem Sitznachbar. Kaum neben mir Platz genommen, begann er, mich auf Schweizerdeutsch zuzutexten. Anfangs war es ja ganz nett, sich ein bisschen über die Erlebnisse auszutauschen. Während er sich aber offensichtlich eigentlich überhaupt nicht für meinen Teil der Geschichte interessierte, prahlte er mit den fetten Schlitten, mit denen er und seine Kumpels durch die USA gecruist seien, wie sie am Ende in Miami landeten und es ihm dort doch so sehr gefiel, dass er am liebsten hätte bleiben wollen. Und wie sehr es nerve, dass er seinen Rückflug bereits über San Francisco gebucht hatte.

Dass ich ihn nach kurzer Zeit durchwegs nur noch mit hochgezogener Augenbraue ansah und alle paar Minuten Anstalten machte, mir die Kopfhörer zurück in die Ohren zu stecken, ignorierte er gekonnt und irgendwie schaffte er es einfach jedes Mal, dass ich mich total schuldig fühlte, weil ich ihm nicht zuhören mochte.

Irgendwann fiel das Thema auf den Sicherheits-Check am Flughafen, die in den USA wirklich sehr streng sind. Dass er damit lediglich auf eine weitere Geschichte seinerseits lenken wollte, merkte ich zu spät. Also erzähle er mir das haarsträubende Abenteuer seines Gang durch den Scanner.

Obwohl er bis auf T-Shirt und Hose alles andere ausgezogen hatte, wurden bei ihm metallische Gegenstände angezeigt – obwohl er gar nichts dabei hatte. Und dann fing er an mit einem so widerlichen Stolz in seiner Stimme zu prahlen, dass er eben in Texas war, wo es ihm einfach mit Abstand am besten gefallen hatte, und dort halt total viel und oft mit einem Gewehr unterwegs war und geschossen hat – Howdy Cowboy…

Spätestens da war mir die Lust komplett vergangen und ich hätte schwören können, jeder normal denkende Mensch hätte mir aus dem Gesicht lesen können, dass ich ihm am liebsten seine blöde Hose mit den Schiess-Rückständen in den Mund hätte stopfen wollen. Und da hatte ich dann glücklicherweise endlich den Mumm, ihm zu sagen, dass ich gerne den Film schauen würde, den ich vor über einer Stunde angefangen hatte.

Ausserdem gelang es mir ab da gekonnt, ihn zu ignorieren – und wenn ich mich dafür schlafend stellen musste.

Hattet ihr auch schon mal einen nervigen Reise-Nachbar? Wie habt ihr es geschafft, ihn loszuwerden?

Eure Cielle

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