Dubrovnik, Tag 2-3 – Die Altstadt in 12 Stunden

Meinen ersten richtigen Ferientag in Mlini verbrachte ich so, wie man einen ersten richtigen Ferientag verbringen sollte: Ich genoss la dolce far niente. Ich blieb so lange im Bett, bis ich keine Lust mehr hatte, im Bett zu liegen und las dann so lange auf meiner Terrasse in meinem Buch, bis mein Lustzentrum nach einem Bier verlangte. Danach ging ich also Bier trinken, Eis schlecken und zu Abend essen, bis ich wieder müde wurde und ins Bett fiel.

Ich hatte geplant, am nächsten Morgen früh aufzustehen, wofür ich mir blöderweise sogar den Wecker gestellt hatte, den ich aber ignorierte. Das erste Schiff um 9:30 nach Dubrovnik verpasste ich um Längen und schlüpfte gerade noch rechtzeitig eine halbe Stunde später auf das nächste, das über dreissig Minuten lang der Küste entlang schipperte. Die Einfahrt in den Hafen war überwältigend. Die Gemäuer und Gebäude riefen bereits die ersten Gedanken an Game of Thrones in meinen Kopf.

Weniger überwältigend war die Armee an Touristen, die die Altstadt fluteten, als gäbe es an jeder Ecke gratis Shirts, von Jon Snow und Daenerys höchstpersönlich verteilt. Es war schon ein bisschen erschreckend. Beinahe wäre ich auf das Schiff zurück nach Mlini gestiegen. Nachdem ich mich aber aus der riesen Traube Menschen lösen konnte und einige schmale Gässchen auskundschaftete, verteilte sich der ganze Trubel etwas. Was aber nichts an der Tatsache änderte, dass die Altstadt ein einziges Nest für Touristen ist, nur ganz wenige Ecken bleiben von Restaurants oder Souvenir-Shops mit lizenzierten Game of Thrones und Star Wars Artikeln verschont und gewähren einen Blick auf das Leben echter Menschen.

Am anderen Ende der breiten „Star Wars Strasse“ und somit auf der anderen Seite der Altstadt angekommen, fand ich mich am Eingang zur Rundtour über die City Walls wider. Wenn ich schon mal da bin, dachte ich und kaufte mir ein Ticket für 150 Kuna (etwa 23 Franken). Ich liess mir sehr viel Zeit, während die heisse Mittagssonne mir mein Hirn bratete, meine Haut bräunte und ich die Aussicht genoss. Die Dächer der Altstadt einerseits und das Meer und Lovrijenak (das „Red Keep“) andererseits war einfach zu herrlich, als dass man einmal rundherum rennen wollte. Und wenn man alleine unterwegs ist und trotzdem ein paar tolle Fotos von sich im Nicht-Selfie-Stil haben möchte, ist halt etwas Geduld (und ein Stativ) gefragt.

Ausgehungert und mit schmerzenden Waden von den tausend Treppen hoch und runter, setzte ich mich nach 2 1/2 Stunden in ein Restaurant, das in mehrere Seitengässchen verstreut seine Tische aufgestellt hatte, von dem Local Guide, den ich immer in der Tasche dabei hatte, aber wärmstens empfohlen wurde. Dort bestellte ich mir das Lieblingsbier des Kellners, einen Griechischen Salat, drei Austern und den traditionellen Mandel-Orangen-Kuchen, was alles vorzüglich schmeckte.

Pappsatt und super glücklich über das leckere Essen und die freundliche Bedienung machte ich mich als nächstes dazu auf, Lovrijenak zu erklimmen, ein weiterer Drehort für Game of Thrones. Der Eintritt war sogar im City Walls Ticket mit einbegriffen. Zugegeben, besonders spektakulär fand ich die kahle Burg nicht. Einzig der Hof löste ein kleines Nackenkribbeln bei mir aus, aber auch nur wegen der Gedanken an einige der hier gedrehten Szenen von GoT. Auch wenn die Orte – so wie auch der „Walk of Shame“ – erkennbar waren, so wurde doch wieder einmal mehr als deutlich, wie viel CGI verwendet wird. Abgesehen davon erzählten die Mauern natürlich eine wahnsinnig spannende Geschichte der Vergangenheit, des Reichtums Dubrovniks und des vergangenen Krieges.

Bereits beim Erklimmen des Lovrijenak fiel mir auf der anderen Seite der Klippe eine kleine, versteckte Bucht auf. Bei genauerem Hinsehen konnte ich feststellen, dass sich dort eine kleine Beach Bar befand. Also machte ich mich auf die Suche nach dem Weg dorthin, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Auf gut Glück und mich nur auf meinen Orientierungssinn verlassend, schlenderte ich durch ein paar Gassen, bis ich tatsächlich den unscheinbaren Torbogen zu dem kleinen Küstenstück fand. Happy über meine Entdeckung setzte ich mich auf eine der Schaukeln der Beach Bar Dodo mit der wunderbaren Aussicht und liess meine Seele für einen langen Moment und mit einem grossen Bier in der Hand baumeln während ich einfach nur das Rauschen des Meeres, die Wärme der Sonne und die eintrudelnden Kayaks genoss.

Irgendwann wurde der Hunger dann doch zu gross, auch wenn ich ewig auf dieser Schaukel hätte sitzen können. Also machte ich mich auf den Weg zurück in die Altstadt und auf die Suche nach einem Restaurant. Aber erst, nachdem ich einen Abstecher im bekannten Peppino’s gemacht habe – mit dem wohl geilsten Eis des Universums, durchzogen mit Schokolade, Caramel oder anderen Schlemmereien, je nach Sorte. Ass ich halt das Dessert zuerst, aber dieses Eis musste ich einfach probiert haben! Und wer wusste da schon, ob ich nach dem Abendessen noch genug Platz im Bauch haben würde. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte – aber anders, als ihr jetzt vielleicht denkt!

Ich setzte mich Eis schleckend auf einen Spot, der mein Eis-Essen-Spot für die nächsten Aufenthalte in Dubrovnik werden würde. Eine etwas erhöhte Nische unter den Arkaden des Sponza Palastes, das ehemalige Regierungsgebäude. Von dort aus hatte ich einen wunderbaren Blick auf den Trubel der breiten Strasse bis hoch zur Kathedrale.

Hinter der Kathedrale fand ich dann ein hübsches Restaurant, das Paparazzo, bekannt war für seine Steaks. Ich bestellte ein Tenderloin – rare, versteht sich von selbst – und liess mir vom jungen Kellner, der von meiner Bestellung offensichtlich ganz begeistert war, einen dazu passenden (und vermutlich nicht ganz günstigen) Wein bringen. Nicht nur das Essen war vorzüglich, auch die Bedienung war wunderbar angenehm. Die Kellner versuchten und schafften es auf unaufdringliche Weise, es allen Recht zu machen und betonten beim Servieren, dass man sich bitte Zeit nehmen solle.

Als mein Kellner mein leeres Holzbrett abräumte, fragte er mich, ob ich alleine sei und wir begannen ein ganz angenehmes Gespräch über das Alleine Reisen, die vielen Touristen und dass ich den idealen Zeitpunkt erwischt habe, in Dubrovnik zu sein. Es war Pre-Season und dementsprechend relativ ruhig. Während der Hauptmonate Juni-August allerdings sei hier die Hölle los: bis zu 20’000 Touristen verstopften hier dann jeden Tag die Strassen. Unfassbar, wurde mich doch jetzt schon fast schwindelig, wenn ich die vielen Leute sah.

Fragt mich nicht wieso, aber ein paar Minuten später tauchte ein weiterer Kellner an meinem Tisch auf und stellte mir ein Dessert und ein Glas Wein vor die Nase – obwohl ich nichts bestellt hatte. „Eine kleine Aufmerksamkeit auf’s Haus“, sagte er und erklärte mir, wie wunderbar sich die Noten des guten Rotweins und des Schokoladen-Desserts ergänzten. Er wünschte mir viel Freude und liess mich etwas verwirrt, aber natürlich total begeistert zurück. Und er hatte recht. Das dunkle Schokoladen-Mousse mit Chilli und Salz war eine wahre Geschmacksexplosion in meinem Mund und der Wein passte perfekt. Ich freute mich tierisch und grinste die Kellner dankend an. Eine durch und durch gelungene Überraschung und das perfekte Ende eines ereignisreichen Tages.

Weitere Impressionen findest du auf meinem Instagram-Kanal.

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