Die Ausreden, die dein Leben kaputt machen

Heute Morgen habe ich etwas durch meine alten Texte gestöbert und wurde auf einen kurzen Text aufmerksam, den ich vor fast 6 Jahren geschrieben habe und der mal als Blogpost gedacht war – bevor ich mit YouTube und dem Blog etc. angefangen hatte also. Zu diesem Zeitpunkt war ich alles andere als happy – durchlief eine meiner vielen Krisen. Damals studierte ich Psychologie und stand an dem Punkt, an dem ich sehr daran zweifelte, dass ich das überhaupt machen wollte. Aber lest selbst:

Kleine Mädchen wollen Prinzessin werden, mit pinken Rüschen und rosa Einhörnern und einem funkelnden Krönchen auf den blonden Locken. Oder Tierärztin. Teenie Mädchen wollen Model oder Schauspielerin werden, wie ihre grossen Vorbilder, die von den Hochglanzmagazinen strahlen mit gephotoschopten Körpern und gebleichten Zähnen. Oder studieren.Ein Mädchen, das schon als Kind darauf bedacht ist, einmal einen lukrativen Beruf ausüben zu können, und später irgendwas gescheites wie Jura oder BWL oder Psychologie studiert, gilt als reif und ist bei den Grosseltern stets am beliebtesten, besonders wenn die Eltern geschieden sind und sie nebenbei noch einen Job hat. Wenn jetzt aber diese junge Frau im zweiten Jahr plötzlich zu zweifeln beginnt und merkt, dass sie doch nicht das studieren will, was sie eben studiert und eigentlich lieber etwas machen möchte, was sie erfüllt, z.B. Mode Design, wird sie trotzdem nicht einfach das Studium abbrechen, nein, sie wird mindestens noch den Bachelor machen. Zudem könnte weder sie noch die Eltern es sich leisten, ihr ihren Traum zu finanzieren, ausserdem wäre sie dann nicht 24/25, sonder 27-29 Jahre alt, wenn sie endlich ihren Eltern nicht mehr zur Last fallen würde. Die Grosseltern wären enttäuscht, dass ihre gelehrte Enkelin das Studium schmeisst, um etwas viel waghalsigeres zu machen und sie selbst wäre zwar unzufrieden, würde aber brav den Master machen und ihre unreifen Wünsche und Träume verdrängen, schliesslich möchte sie es ihrer Familie recht machen und das Geld würde sowieso nicht reichen.

Gibt es nicht viele junge Frauen und auch Männer, die eigentlich etwas ganz anderes studieren möchten, als sie tatsächlich tun?

Sind solche Träume unreif, weil man genau weiss, dass man sie sich nicht erfüllen kann?

Ist Geld die einzige Hemmschwelle?

Mal abgesehen davon, dass ich heute mit meinen 27 Jahren überhaupt nichts dagegen einzuwenden hätte, mit einem funkelnden Krönchen auf dem Kopf auf einem rosa Einhorn durch die Strassen zu reiten, ist das doch mal wieder ein schönes Beispiel, wie viel man über die Jahre dazu lernt. Ja, auch mit 27 Jahren darf man das schon sagen. Es sind schliesslich 6 Jahre vergangen seit der obigen Lebens-Ansichten und gerade in diesem Alter ist das eine lange Zeit, in der man viel über sich selbst und das Leben erfährt.

Das Studium habe ich übrigens dann doch nicht abgeschlossen, aber Mode Designerin wurde ich auch nicht. Auf der Suche nach meiner Berufung war das auch nur einer von vielen Jobs, die meine Gedankengänge streiften. Weddingplaner zum Beispiel führte eine ganze Zeit lang die Liste meiner Traumjobs an – nachdem ich mir sicher war, dass man träumen durfte, wenn man für diese Träume arbeitete. Lustigerweise wollte ich nie Youtuberin oder Bloggerin werden. Mittlerweile fände ich das sogar ziemlich cool. Vielleicht nicht gerade Vollzeit, aber so ein paar Tage die Woche, wieso nicht!

Wenn ich mir diesen Text da oben so anschaue, dann erkenne ich deutlich den Frust, den ich damals durchlitt. Nicht, weil ich kein Mode Design studieren konnte, sondern weil ich einfach nicht wusste wohin mit mir. Und wenn ich in den letzten Jahren unter anderem auch durch viele Gespräche mit meiner Mutter etwas gelernt habe, dann, dass man manchmal einfach geduldig sein und sein Bestes geben muss und irgendwann, wenn die Zeit – wenn man selbst – reif dazu ist, ergibt sich alles fast wie von selbst. Manchmal muss man einfach ein bisschen dem Schicksal vertrauen und auf „das Flüstern des Universums“ hören, das einen durch das Leben lenkt. Und niemals aufgeben, immer sein Bestes geben und weitermachen.

Meine Grosseltern sind übrigens auch alles andere als enttäuscht. Da sieht man mal wieder, wie schnell man sich in seinem Jugendlichen Frust in Dinge hineinsteigern und auf andere schieben kann. Auch die Eltern sind nicht schuld, wenn man seine Träume nicht lebt – wenn man etwas wirklich will, dann gibt es immer mehr als einen Weg! Und nein, unreif ist das ganz und gar nicht, sondern eine Ausrede, sich nicht anstrengen zu müssen, eine Ausrede, den leichten Weg zu gehen, auf dem man den Steinen ausweichen kann, von denen man denkt, dass sie dich zur Vernunft bringen wollen. Es sind alles Ausreden. Eines meiner liebsten Lebens-Mottos ist nicht umsonst: „Wenn dir jemand Steine in den Weg legt, bau ein Schloss daraus“.

Wann habt ihr das letzte Mal eine solche Ausrede verwendet? Achtet das nächste Mal darauf, warum ihr etwas nicht macht – warum macht ihr es nicht? Man ertappt sich selbst viel öfter, als einem lieb ist.

Eure Cielle

Ein Gedanke zu „Die Ausreden, die dein Leben kaputt machen

  1. Spannend zum Lesen!

    Ich persönlich frage mich fast immer bei irgendwelchen Entscheidungen, warum ich das jetzt mache, oder warum eben nicht.

    Wenn mich z.B. jemand fragt, ob ich irgendwas machen will, entscheide ich erst sobald ich mir wirklich sicher bin, dass die Gründe etwas (nicht) zu machen, besser sind als die, etwas (nicht) zu machen.

    Ist besonders dann interessant, wenn man eigentlich gar keine Lust auf etwas hat, aber die Gründe es zu tun dann eben doch überwiegen.

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