Der Stoff, aus dem Geschichten sind

Kennt ihr das, wenn ihr morgens aufwacht und die Bilder eures letzten Traumes immer noch deutlich vor Augen habt? Heute ging es mir genau so. Wieder einmal. Das sind meine liebsten Träume und ich liebe es, dann die darauf folgenden paar Tage noch weiter an diesen Träumen herumzustricken und die Geschichte weiterzuentwickeln. So oft denke ich mir dann: Daraus könnte ich ein Buch schreiben! 

Es ist kein Geheimnis, dass ich schon immer gerne Geschichten geschrieben habe. 2009 während der Uni-Vorlesungen (Sozialanthropologie) habe ich damals mein wohl grösstes Projekt gestartet, immer mal wieder aufgehört, dann wieder weiter geschrieben, dann beiseite gelegt, weil mir der Schreibstil nicht mehr gefiel. Mittlerweile liegt der 150-seitige Anfang der Geschichte ein bisschen eingestaubt in einem meiner Drive-Ordnern und wartet darauf, dass ich es mal wieder anpacke. Sollte es tatsächlich einmal so weit sein, dann glaube ich, würde dieses Projekt zu meinem Lebenswerk werden. Denn inhaltlich ist die Geschichte so komplex, dass ich mehr Zeit mit Recherche verbracht habe als mit Schreiben.

14 wichtige Charaktere hatte ich entwickelt, davon 8 ausführlicher, Hauptpersonen gab es 4 und die Geschichte spielte in allen möglichen Epochen. Besonders inspiriert hatten mich die 4 Sterntiere der chinesischen Mythologie, die Elemente und das Reisen durch Raum und Zeit. Sogar ein Glossar mit eigens für diese Geschichte kreierten Wörtern hatte ich angefangen und in dem ledergebundenen Buch vom Titelbild befinden sich alle wichtigen Elemente der Geschichte.

Wie ihr seht, befinde ich mich durch und durch in der Fantasy-Schiene. Das habe ich wohl Zelda und Elfenwelt zu verdanken, die meine Kindheit sehr geprägt haben. Lustigerweise träume ich auch oft in diesem Adventure-Game-Stil von Zelda! Aber so entstehen die besten Geschichten. Auch die obige fand ihren Ursprung  in einem solchen Traum. Respektive in mehreren. Man muss sich nur genug inspirieren und dann der Fantasie freien Lauf lassen.

Am besten fängt man auch einfach mal an zu schreiben, bis man das erste Mal nicht mehr weiter weiss. Ab da ist es dann sinnvoll, sich den Inhalt etwas genauer zu überlegen:

  • Wo will ich hin mit der Geschichte?
  • Was durchleben die Hauptcharaktere?
  • Was sind die Hauptelemente?
  • Was ist das Böse/der Feind in der Geschichte?

Sehr oft ist es so, dass man Fetzen von späteren Kapiteln schon viel früher schreibt. Hauptsache, alles ist schon mal niedergeschrieben. Und der Glaube, dass man Niedergeschriebenes nicht mehr abändert, ist die grösste Anfänger-Illusion überhaupt. Als Hodor seinen grossen Auftritt in der 6. Staffel von Game of Thrones hatte, brach bei mir und ein paar Freunden eine heftige Diskussion aus. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass George R. R. Martin diese Idee bereits mit der Entwicklung des Charakters hatte, während jemand anders der Meinung war, dass sich das so per Zufall dann grad so entwickelt hat. Es gab keine Einigung, aber ich halte immer noch an meiner Meinung fest 😉

Es gibt übrigens eine tolle Checkliste von Ronald B. Tobias, wie man tolle Geschichten entwickelt. Damals hatte ich das nicht, aber sie ist echt Gold wert!

Ja, ich liebe Fantasy, wie ihr nur unschwer erkennen könnt! Und eines Tages schaffe ich es vielleicht, ein Werk zu vollenden! Hier eine kurze Lesesprobe von Kapitel 1:

Seine Augen, so hieß es, seien die Augen des Teufels. Gefährlich blitzten sie bei jedem Schwerthieb, bei jedem abgeschlagenen Kopf rot auf. Niemand konnte es mit ihm aufnehmen, noch nie hatte jemand vermocht, ihn zu besiegen. Doch nun war er am Ende seiner Kräfte. Die Schlacht hatte ihn geschwächt.

Schwer atmend ließ er das blutverschmierte Schwert fallen, riss sich die metallene Rüstung vom Leib. Er ließ den schmerzenden Kopf in den Nacken fallen und mit von Blut, Schweiß und Staub verdrecktem Gesicht blickte er in den tiefblauen Himmel. Geier kreisten kreischend und hungrig über ihm und stürzen auf das Schlachtfeld,  das sich über mehrere Meilen hinweg zog, übersät mit Leichen, ohne Köpfe, ohne Arme, einen steckenden Pfeil in der Brust. Es war ein Grab. Für hunderttausende von Männern. Und die Geier pickten unbeirrt in den blutigen Wunden, um ihren Hunger zu stillen.

Fünf grausame Tage lang durchschnitten Schwerter Körper, durchbohrten Pfeile Fleisch und Muskel, fielen tote, verletzte, verstümmelte Körper mit einem dumpfen Aufprall auf den staubigen Boden, übertönt von Kriegsgebrüll. Fünf grausame Tage lang bekämpfte sich Mann gegen Mann. Fünf grausame Tage lang floss Blut. Jetzt war es vorbei. Und niemand hatte überlebt. Niemand außer ihm.

Er schwankte, fiel erschöpft in den Staub und blieb reglos liegen. Er wollte das nicht mehr sehen. Er wollte einfach nur die Augen schließen und vergessen. Er dachte an seine Heimat, die grünen Hügel,  die kalte Gischt, die ihm ins Gesicht spritzte, während die Sonne gleißend hell über den wolkenlosen Himmel wanderte.

Stunden vergingen, bis am Horizont eine kleine Gruppe geistlich gekleideter Gestalten erschien und sich langsam dem Ort des Grauens näherte. Aus der Ferne hatten sie die Schlacht beobachtet und noch bestand ein kleiner Schimmer der Hoffnung, dass einer überlebt hatte.

Jeden einzelnen drehten sie um, um den einen Überlebenden zu finden, und die Sonne näherte sich bereits dem flimmernden Horizont, als sie an seinen mit Dreck und Wunden übersäten Körper traten. Er war bewusstlos und atmete nur schwach; doch er lebte.  Die Geistlichen versorgten ihn notdürftig, flößten ihm ein bisschen Wasser ein und schafften ihn weg. Auf einer Bahre trugen sie ihn durch die trockene Einöde an einen Ort, der ihnen als Zuhause diente. Ein Tempel, der tief versteckt in einer Schlucht lag, verborgen hinter Felsen und dürren Bäumen. Sie brachten den vor Erschöpfung ohnmächtigen Krieger zu ihrer Heilerin, die wortlos das getrocknete Blut vom geschundenen Körper wusch, sorgfältig die Wunden mit einer heilenden Kräutersalbe bestrich und mit Leinenbändern verband.

Mehrere Tage rührte er sich nicht. Die Art von Kampf, die er austrug, musste er alleine beenden. Doch solange er atmete, war noch nichts verloren.

Gerade habe ich selbst wieder Lust bekommen, an der Geschichte weiterzuarbeiten 🙂 Ich würde mich echt über euer Feedback freuen!

Eure Cielle

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