8 Minuten Nichts Tun

Ich bin immer auf Trab. Freie Minuten sind rar, alles ist verplant und in eine Routine eingebunden. Ich plane im Voraus fast minutiös, wann ich was tue. Ich stehe auf, gehe ins Bad, ziehe mich an, verlasse das Haus zu einer bestimmten Zeit, etc. etc. Im Zug gibt es folgendes zu tun: Essen, Mails beantworten, Social Media checken, einige Seiten im aktuellen Buch lesen. Ist das zwanghaft? Vielleicht.

Ich bin ein Online-Mensch, ohne Frage. Wie sollte das auch anders sein, als Youtuberin, Twitterin, Instagramerin, Bloggerin? Ständig auf der Suche nach neuem Input durchforste ist das Internet. Aber gerade diese Minuten, in denen ich ein Buch in die Finger nehme (vielleicht auf Snapchat das Cover poste, zugegeben), brauche ich, um meinen Kopf abzuschalten und nicht ständig über den Papierkram nachzudenken, der noch zuhause rumliegt und mich förmlich anschreit, dass dessen Bearbeitung schon längst überfällig ist. Fast verzweifelt klammere ich mich an solche Momente, Zeitfenster, in denen ich meinen Kopf lüften kann. Auch wenn das auch nur zur Routine gehört.

Etwas wie „nichts tun“ gibt es nicht. Aber wie definiert sich „nichts tun“? Kann „nichts tun“ geplant werden? Ist „nichts tun“ eine konkrete Entscheidung? Oder ist „nichts tun“ einfach das, wonach es klingt – einen Tag rumgammeln, faulenzen und sich von schlechten TV-Shows berieseln zu lassen?

Molière sagte

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Ist „nichts tun“ also eine  Entscheidung, die wir bewusst machen? Ja, ich denke schon. Auch. Es ist die gute Art, „nichts zu tun“.

Vor wenigen Tagen erst wachte ich zu früh auf, durchlief meine morgendliche Routine und stand plötzlich mitten im Zimmer, weil ich noch Zeit über hatte, bevor ich das Haus verlassen musste. Zuerst tat ich das nahe Liegende: Ich widmete mich dem nächsten, was rumlag und getan werden musste. Bis ich 10 Minuten später inne hielt und mich dagegen entschied. Dagegen. Einfach so.

Ich entschied mich dazu, eine Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit von allem – von Arbeit, von Zocken, von Social Media, von Rechnungen – ausser vom Atmen. Ich setzte mich im Schneidersitz auf ein dünnes Stuhlkissen auf den Boden, entspannte mich und konzentrierte mich nur noch auf meine Atmung. Langsam durch die Nase einatmen, langsam durch den Mund ausatmen. Den Rücken gerade, entspannt, einatmen, ausatmen und so fort.

Ist das Meditation? Ich weiss es nicht, ich habe mich nie mit Meditation beschäftigt. Aber egal was es war, es war das erste Mal, dass ich bewusst da sass und nichts anderes tat, als mich auf meine Atmung und Haltung zu konzentrieren – Ganze 8 Minuten.

Eure Cielle

PS: Das Foto hat Lily Rose gemacht, als wir beim Blausee waren. Mein Video dazu findet ihr hier. 

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